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VORTRAG: Expedition Shivling (6.543m)

Das DAV Expeditionskader erklimmt das "indische Matterhorn"

Tourenplanung

Wer denkt, so eine 6-Tausender Tour ist doch gleich gemacht, vor allem mit der heutigen Ausrüstung, der Infrastruktur und den Trägern, der denkt nach dem Vortrag von und mit Johannes Kirsten anders. 

Detailliert, ruhig und bildhaft berichtete der junge Bergsteiger am Donnerstag, den 21. Februar im Bocksaal von der Expedition zum Shivling, für die allein die Vorbereitungszeit schon zwei Jahre gedauert hat. 

 

Die Auswahl

Sechs junge Männer wurden 2016 im Sichtungslehrgang in Charmonix ausgewählt, um am Jugend-Expeditionskader teilnehmen zu dürfen. Dazu gehört auch eine umfangreiche Ausbildung, die vom DAV organisiert wurde. Ob im Sportklettern oder bei der Spaltenbergung, die jungen Männer mussten sich bewähren und schließlich hatte Michi Wärthl, Bergführer und Trainer der Gruppe, den Kader aufgestellt. 

Bevor die Ausbildung beginnen konnte, hatten die Bergsportler einen schmerzlichen Verlust einen Teamkameraden, Lorenz Gahse, zu betrauern, der im Zugspitzmassiv auf einer Solotour verunglückte. Gemeinsam brachten sie eine Gedenktafel für ihren Kameraden an und traten nach einiger Verunsicherung dennoch das Abenteuer Expedition an. 

 

Die Lehrgänge

Vieles musste eingebüt werden, um sicher am hohen Berg zu sein. Bergrettung in den Dolomiten, Lawinenkunde, Mixed-Klettern in Schottland, Rissklettern, Eisklettern, Höhenbergsteigen...fast jeder Urlaub wurde in den zwei Jahren für die Bergausbildung genutzt. Michi Wärthl war meist dabei und organisierte immer die richtigen Ausbilder für jede Disziplin. Verletzungen blieben nicht aus und das Ziel der Expedition stand für manche aus dem Team auf der Kippe. 

 

 

 

Die Expedition

Schließlich, konnte es doch noch richtig losgehen. DIe Gruppe reiste nach Indien, um den Shivling, das wohlgeformte "Matterhorn Indiens", auf 6543m zu erklimmen. 

Mit im Gepäck waren 12 Tonnen Ausrüstung, für die letztlich 26 Träger engagiert werden mussten. Für die nepalesischen Träger ist eine Expedition eine wichtige Einnahmequelle, auch wenn es harte Arbeit ist: bis zu 50 kg Last trägt ein Mann, was in diesen Höhen für Ungeübte kaum machbar wäre. Nach einer langen Anreise und einem langen Anmarsch legte die Gruppe auf 3.800 m ihr erstes Basislager an. Weitere sollten in Etappen folgen.

Im Baislager hieß es vor allem Akklimatisierung an die Höhe, planen, bouldern und ausruhen, denn die größten Strapazen standen ja noch bevor. 

Besteigung

Für den ersten Versuch wollte das Team eine noch nicht begangene Route über den Südgrat des Shivling probieren, die aber letztlich auf Grund der Neuschneemengen nicht machbar war. Nach mehreren Versuchen und zwei angelegten Zwischenlagern auf 5.000m und 5.500m entschieden sie sich für die klassische Route über den Westgrat, die Michi Wärthl auch schon einmal gemacht hatte. Eigentlich schien der Gipfel schon so nah, aber in diesen Höhen und unter den schwierigen Bedingungen konnten sie nicht schnell genug aufsteigen. 

 

 

Auf dem Weg über den Westgrat musste ein Abschnitt mit Eiskletterei überwunden werden. Das Gletschereis überraschte das Team mit einem herunterstürzenden Block, der einen Teil der Ausrüstung vergrub, aber glücklicherweise niemdanden verletzte. In drei Seillängen meisterten die jungen Bergsteiger die kritische Passage und arbeiteten sich Schritt für Schritt nach oben.

Gipfelglück

Der steile Gipfelanstieg verlangte alle Kräfte von jedem einzelnen ab, je höher desto schwere fiel jeder Schritt an der steilen Flanke. Alle 30 Schritte brauchten sie eine Pause von drei Minuten. Am 14. Oktober 2018 erreichten Martin Feistl, Johannes Kirsten und Benedikt Saller mit ihrem Trainer Michi Wärthl den Gipfel - bei bester Sicht, Sonne und überglücklich. 

Johannes Kirsten beantwortete noch gerne Fragen aus dem Publikum und sprach ein großes Dankeschön an die Unterstützer der Tour aus. 

Tourenreferent und Kletterfreund Klaus Zugmaier und Jochen Eißler, zweiter Vorsitzender des DAV Sektion Leutkirch, bedankten sich herzlich bei Johannes für diesen schönen, anschaulichen und ehrlichen Vortrag. 

Weitere Informationen und Details zur Tour im Bericht des DAV.