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Überschreitung Gliegerkar- und Bretterspitze von West nach Ost

Eine Bergtour in den südlichsten Allgäuer Alpen

Angesichts massivster Menschenansammlungen an den Hotspots der Allgäuer Alpen war die Planung weit vor "Corona" ein Glücksgriff.

Hinterhornbach, das wohl südlichste Gebirgsdorf das noch zu den Allgäuer Alpen, obwohl in Österreich gelegen, zählt. Der sehr wilde südlich gelegene Gebirgsstock, die Hornbachkette, um Wasserfallkarspitze, Urbeleskarspitze, Bretterspitze und anderen eher "unbekannten" Felsgestalten war unser Ziel.
Namentlich die Überschreitung der Bretterspitze (2609 m) über den Westgrat als Kernstück. Es bietet sich an die Gliegerkarspitze (Vorgipfel) dabei "mitzunehmen".

Trotz nordseitigem Aufstieg von Hinterhornbach (1100 m) zum Kaufbeurer Haus (2005 m) war, dank der Hitzewelle,es schon zu Beginn eine recht schweißtreibende Angelegenheit. 
Die typisch für diese Region recht steilen Anstiege tun ihr Übriges dazu. 
Beim Kaufbeurer Haus handelt es sich um eine reine Selbstversorgerhütte. Wegen "Corona" ist dieses auf unbestimmte Zeit nicht zugänglich. 
Der Brunnen dort war aber eine Wohltat! 
Nach verdienter Rast mit Hochvogel gegenüber und unseren Zielen voraus ging es bald weiter. 
In teilweise beeindruckender Steilheit zuerst über Almwiesen, dann durch die Geröllfelder des westlichen Urbeleskar und zuletzt über ein paar Kraxelstellen, erreichten wir die Gliegerscharte (ca. 2480 m).Kurz danach, als Abstecher, den Vorgipfel der Gliegerkarspitze (ca. 2540 m). 
Der Übergang zum Hauptgipfel mit 2577 m sieht nicht gerade einladend aus: scharfe, spröd brüchige Zacken mit offensichtlich hoher Exponiertheit. Dies ist eine typische Eigenschaft des Hauptdolomits, der diese Gipfel bildet. 
Nach Versicherungseinrichtungen, wie heute leider zu häufig üblich, sucht man dort im Gebiet vergebens. 
Allein schon die Tatsache, dass das Gipfelbuch des Vorgipfels noch Einträge von 1989 zeigt, belegt die Abgeschiedenheit. 
Unser Hauptziel fest im Blick gings wieder runter zur Scharte um dann der wunderschönen Linie des Bretterspitz-Westgrates bis auf deren Gipfel auf 2609 m zu folgen. 
Auch bunte Markierungen sucht man auch hier vergebens. Es ist halt einfach alpin. 
Ab und an mal ein Steinmännchen, das war's. Der Fels ist ortsüblich eher spröde instabil, so dass diese ca. 130 Höhenmeter als anspruchsvoll zu bezeichnen sind.Immer mal wieder kommen Kletterstellen bis zum 2ten Schwierigkeitsgrad mit großer Exponiertheit, die frei ohne Sicherung zu begehen sind, vor. 
Alle waren den Anforderungen, diese sind hier eher psychischer Natur, vollauf gewachsen. 
30 Minuten später standen wir alle glücklich aufm Gipfel in 2609 m mit fantastischem Panoramablick.Bis hier waren es doch nun fast 1700 Höhenmeter Aufstieg auf einer Wegstrecke von gerade mal 6,5 km. 
Dass diese schwülwarme Wettersituation, wie der Fels, eher instabil ist, zeigte sich recht imposant. Es bildeten sich schöne große Cumulus-Wolken die zügig nach oben quollen.Diese Entwicklung war abzusehen.Wir waren sehr gut im Zeitplan. 
Der Abstieg führte uns über den Normalweg, demNordostrücken, zur Schwärzerscharte (2500 m), weiter  über die steilen Geröllfelder und Felsstufen des östlichen Urbeleskar zurück zum Kaufbeurer Haus. 
Aus Richtung des Hochvogels und westlich davon konnteman das erste Donnergrollen vernehmen undzuschauen, wie der Himmel sich dort verdunkelte. 
Dies war uns ein Zeichen, nicht allzu lange dort zu verweilen und das letzte Stück unseres Rückwegs anzutreten. 900 Höhenmeter, auf gutem Pfad zurück ins Tal zum kleinen Parkplatz. 
Ich dachte mir, um den von mir angeordneten Regenschutz nicht unnötig dabei gehabt zu haben, mal nicht so schnell *Smile*. 
Die letzte halbe Stunde kam dann zusätzlich zur Nässe durch den Schweiß des Aufstiegs noch die Nässe eines kleinen unkritischen Gewitterausläufers mit ein paar blitzenden Lichtgestalten garniert hinzu. 
Am Ausgangspunkt wieder angelangt, war eine, ich denke, ich kann für ALLE Teilnehmer sprechen, wunderschöne alpin und landschaftlich sehr interessante und anspruchsvolle Bergtour ohne jegliche Zwischenfälle zuEnde. 
Leider hatten wir keine Reservierung für nen Einkehrschwung im Landgasthof Adler, so mussten wir diesen nach etwas talauswärts, minderschön, verlegen. Von dort vertrieb uns dort dann recht bald der zunehmend heftiger werdende Regen von unserem Außenplatz; drinnen war die Luft zum Schneiden.Ich freue mich sehr auf die nächste Tour in Diensten der Sektionsmitglieder; für mich war es nun zum wiederholten Mal ein Vergnügen, andere an meiner Passion Berge wahr-nehmen und erlebenteilhaben zu lassen. 

Text: Wolfgang Wellinghausen-Striebel 
Bilder: Wolfgang Wellinghausen-Striebel und Armin Kehrle