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Leben retten in der Lawine

DAV übt die Lawinenverschüttettensuche - Bericht eines Kursteilnehmers

LVS-Suche - so geht's richtig

Am 10. Januar hatte der DAV Leutkirch zum 1. Teil des LVS –Kurses (Theorie) ins Rad eingeladen. Der 2.te Teil (Praxis) fand am Samstag 12.10. am Stadtweiher statt.

Ich mache seit 30 Jahren Skitouren und in den letzten Jahren vermehrt Schneeschuhwanderungen im alpinen Gelände. Bisher ohne Zwischenfälle zwar, aber ich dachte auch: „Es ist jetzt höchste Zeit“. Und meldete mich an.

Es kamen noch 40 weitere Interessierte ins Rad und hörten sich den Vortrag von Ulli Oelhaf über die Theorie der Lawinenverschütteten-Suche an. „Das ist ein Rekord. Vor so vielen Zuhörern habe ich bisher noch nie gesprochen.“ war ihr Kommentar zu Beginn des sehr interessanten Vortrags. Nachdem sie die Anwendung der Snow-Card zur Lawinenlageeinschätzung erklärt hatte, folgten die 8 Punkte, die es nach einem Lawinenabgang für die Nichtverschütteten zu befolgen gilt. Schnell muss es dann gehen, und es dürfen keine Fehler bei der Suche gemacht werden. Denn Eile ist angesagt, weil nach 15 Minuten die Überlebenschance eines Verschütteten rapide abnimmt.

Authentisches Filmmaterial, aufgenommen von  mehreren Bergführern, vermittelte uns den ersten Eindruck zur Praxis, wenn es darum geht, Verschüttete schnellstmöglich zu finden, auszugraben und Erste Hilfe zu leisten.

Das abschließende Video über eine Ski- Tour zur Güntlesspitze im Kleinwalsertal mit Ulli Oelhaf und Xaver Notz als Tourenführer hat nicht nur mein Herz als Tourengänger schneller schlagen lassen. Das muß ja eine Traumtour gewesen sein.

2 Tage später trafen sich dann am Stadtweiher insgesamt 30 Kursteilnehmer, um das zuvor Erlernte in der Praxis zu üben. Bereits beim Theorieabend wurden wir per Los in 6er-Gruppen den 5 Tourenleitern Ulli Oelhaf, Xaver Notz, Arno Widler, Wolfgang Wellinghausen-Striebel und Klaus Zugmaier zugeteilt. Deshalb ging es, mit Lawinensuchgerät, Sonde und Schaufel im Gepäck, direkt zu unserem Übungsgelände. Das befand sich im gehörigen Abstand zu den anderen Gruppen, also außerhalb des Sendungsbereichs ihrer Lawinensuchgeräte.

Im tiefen Schnee übten wir unter Anleitung den Umgang mit dem Lawinensuchgerät. Mäandern, Grobsuche, Feinsuche, Sondieren, Mehrverschütteten-Suche und der Unterschied zwischen 1- bzw. 2-Antennen-Geräte zu den neueren 3-Antennen-Geräten konnten wir in der Praxis üben. Auch der Umgang mit der Sonde, die senkrecht zum Hang in den Schnee gestoßen wird, mußte geübt und unserem Lehrer vorgeführt werden. Irgendwann spürst du nämlich Widerstand weit unten im Schnee, in der Lawine, und jetzt musst unterscheiden, ob du nur auf steinigen Untergrund, auf einen Rucksack oder den Körper des Verschütteten gestoßen bist.

Zuletzt wurde das Alles in einem Ernstfall geübt. Unser Tourenleiter versteckte ohne unser Wissen irgendwo Piepser, also Lawinensuchgeräte, kam plötzlich einen Weg entlang gerannt und schrie: Eine Lawine ist abgegangen, dort hinten!

Er drückte die Stoppuhr, wir rannten los, erinnerten uns zum Glück noch schnell an die zuvor gelernten Regeln und teilten die Gruppe in die notwendigen Aufgabenbereiche ein, weil Chaos kostet unter Umständen Leben! Die „Sucher“ stapften in aller Eile durch den tiefen Schnee und folgten den Signalen der Lawinensuchgeräte, stellten fest, es müssen mindestens 2 „Verschüttete“ sein, die es zu retten galt. Also weiter in 2 kleineren Gruppen. Ich war „Sucher“ und, auf das Gerät konzentriert, keuchend und mit schnellen Schritten, näherte ich mich immer mehr dem „Verschütteten“. Und in diesem Moment bekam ich ein Gefühl von „Realität“, wie ich es mir so in der Theorie niemals hätte vorstellen konnte. Schlussendlich  konnten wir alle „Lawinenopfer“ rechtzeitig finden und bergen und erst dann kamen wir zum Ausatmen. Der Kommentar  von unserem Anleiter Klaus Zugmaier, „Mit euch würde ich auf Tour gehen.“, hat uns alle einmal stolz und zufrieden gemacht, zum anderen hieß das auch: Prüfung bestanden.

Ich selber bin überglücklich, endlich diesen Kurs gemacht zu haben, von der reinen Theorie ins Praktische übergegangen zu sein. Mit der dazugewonnenen Sicherheit für Lawinenabgänge, meiner LVS-Karte in der Tasche und der Gewissheit, in spätestens 3 Jahren diesen Kurs zu wiederholen, ging ich zufrieden nach Hause.

(Text Stefan Wagegg)