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MTB-Tour mit vielen Gesichtern

Unterwegs im Nagelfluhgebiet

 

Einmal konnten die Sechs auf dem Rückweg zum Startpunkt Oberstaufen alle Gipfel des Tages nochmals von unten betrachten. Zum Zweiten blickte die Truppe ausführlich von allen Seiten auf ihre Räder: von oben beim Radeln, von unten beim Tragen, von rechts und von links beim Schieben.

 

Nach einer kleinen Fahrtechnik-Auffrisch-Runde am Freitag starteten am Oberstaufener Bahnhof bei besten Verhältnissen. Zuerst ging es gemächlich über Schotter und Teer zur Talstation der Hochgratbahn. Hier wartete der erste Prüfstein für die wackeren Ritter: ein Schotterweg, der uns in ca. 2,2 km 350 hm brachte. Oben dann die unerwartete Belohnung: auf der Prodelalm hausten ein paar Jugendliche, die uns freundlich auf ein Weißwurstfrühstück einluden. Die ersten Anstrengungen waren hier schon wieder vergessen. Ab hier ging es über den Pfad entlang des Grates bis zur Eckhalde. Ein kniffliger und fordernder Trail über 8 km mit einem Höhengewinn von knapp 500 Metern, gespickt mit kleinen Abfahrten, die zusammengenommen aber nur 250 Meter Spaß bergab boten. Immer wieder waren kleinere Pausen nötig, um Wetter und Aussicht zu genießen. Technische Passagen lassen die Räder immer wieder bocken, man steigt ab und kommt nicht in den Fahrfluss. Doch nicht ganz anspruchslos, diese Tour. Keine Sekunde zu früh kam die erste nennenswerte Abfahrt über einen Wanderweg, vorbei an des Fürsten Jagdhütte hinab zur Seifenmoos Alpe. Nach kurzem Anstieg über einen Fahrweg waren wir endlich am Naturfreundehaus Kempten, der Mittagspause – leider ohne Weißwurst, dafür mit isotonischen Erfrischungsgetränken in Form von Bier...

 

 

Gestärkt also ging es unmittelbar in die zweite Trailabfahrt zur Alpe Alp – ein Zuckerli vor dem letzten, schneidigen Anstieg zum Immenstädter Horn. Den Wanderweg über die letzten 170 hm bewältigten wir mit Duldsamkeit und schiebend. Heißt es doch in den Lehrbüchern der Physik, dass nur wer oben ist, hinunter kann. Nach einem letzten Ausblick über Alpsee und das Allgäu dann die Krönung und der eigentliche Zweck der Tour: Der Trail über die Kanzel hinunter. Knapp 3 km, 750 hm und ein wilder Mix aus Spitzkehren, Wurzeln, Steinen und Stufen sprechen ihre eigene Sprache. Den Subtext lieferten die Verhältnisse. War der ganze Tag über warm und trocken – abgesehen von einigen Schneefeldern, die sich zwischen Himmeleck und Eckhalde noch gehalten hatten -, so empfing uns am Osthang des Immenstädter Horns feuchter, rutschiger Boden und steigerte die Schwierigkeit um einige Stufen. Mensch und Maschine hier im Einklang zu halten, war eine Riesenaufgabe. Ein wahres Wechselbad an Gefühlen durchlebte hier jeder Einzelne, doch spuckte der Trail unten alle wohlbehalten wieder aus. Der Trail ist wahnsinnig – und das im besten Sinne.

 

Jetzt wählte der Trupp der inzwischen angeschlagenen Pedalritter zwei verschiedene Wege. Die eine Hälfte nahm den Trail entlang des Hangs nach Bühl am Alpsee, die zweite Hälfte entschied sich für den Radweg. Die Eisdiele am Alpsee führte sie dann wieder alle zusammen. Die letzte Stärkung intus, rollte der Trupp über den Radweg entlang der Bahnlinie zurück nach Oberstaufen. Multiperspektivisch ging der Tag mit dem ausgiebigen Betrachten der Gipfel des Tages zu Ende.

Die nächste Ausfahrt für die Pedalritter des DAV wird Ende Juni auf die Kanzelwand und das Walmendinger Horn führen. Sie folgt einer Empfehlung des Bike-Magazins. Ebenfalls eher schwer, doch sind die steilen Anstiege auf breiteren Wegen zu bewältigen und die durchaus technischen Abfahrten weniger ausgesetzt. Auf ca. 35 km stehen etwa 1600 hm auf dem Zettel

 

 

Text und Fotos: Sebastian Hösch